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2016-05: "Südsee"

Heinrich Mimberg 17.05.2016

Postkarte von Langsdorf (bei Lich) nach Apia (Samoa)

 

 

Postkarte aufgegeben in Langsdorf bei Lich in Oberhessen an einen in Apia tätigen Echzeller Bürger, der dort als Handesagent für eine Hamburger Firma für einige Jahre tätig war.

Als erster Europäer erreichte der Niederländer Jakob Roggeveen 1722 Samoa. Eine amerikanische Expedition unter Charles Wilkes folgte 1839. Die Briten eröffneten um 1847 ein Konsulat. 1855 erkundete der Kaufmann August Unshelm im Auftrag des Hamburger Handelshauses Johann Cesar Godeffroy Samoa. 1861 wurde er vom Hamburgischen Senat zum Konsul ernannt. Das Handelshaus Godeffroy dominierte nach wenigen Jahren den Handel mit Samoa, wobei der Export von Kopra, das der Palmölgewinnung diente, an Bedeutung gewann. 1878 erhielten die Vereinigten Staaten den Hafen Pago Pago auf Tutuila. Im Jahr darauf erhielt Deutschland einen Hafen bei Apia auf Upolu. Am 17. Februar 1900 wurde Ostsamoa amerikanisches Territorium, das später den Namen Amerikanisch-Samoa erhielt. Westsamoa wurde zur deutschen Kolonie (Schutzgebiet) Samoa.

Die Landfläche Samoas bestand aus 2588 Quadratkilometern. Um 1900 wohnten Eingeborene und Siedler in 86 Dörfern. Die etwa 34.000 Einwohner ergänzten 400 Siedler, Händler und Plantagenbetreiber. Den Großteil der weißen Bevölkerung bildete die deutsche Gruppe (192 Personen), dazu kamen 89 Engländer, 39 Amerikaner, 7 Dänen, 10 Schweden, 8 Schweizer, 35 Franzosen und ein Österreicher. Die wirtschaftlichen Einnahmen und Ausgaben hielten sich während der Kolonialzeit die Waage. Drei Kolonialgesellschaften waren auf Samoa tätig: die „Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee”, die „Deutsche Samoa-Gesellschaft” und die „Safata-Samoa-Gesellschaft”. Zur Arbeit auf Samoa wurden Bewohner anderer Inseln „zwangsverpflichtet” oder aus China angeworben. Die Samoaner waren für die Arbeit in „deutschem Sinne” nicht zu gebrauchen – Pflanzen aus der Südsee gedeihen in Europa auch nicht, und wenn, dann nur durch sehr intensive Pflege – diesen Grundsatz hatte man bei der einheimischen Bevölkerung aber vergessen. Zur Erhebung von Hundesteuer gab es aber genaueste Anweisungen und Vorschriften.

Die erste Privatpost in Samoa wurde 1877 von W. E. Agar gegründet, ab 1879 übernahm sie A. Spiers, nach dessen Tod 1880 G. L. Griffiths, der sie am 21. Dezember 1881 eingehen ließ. Die zweite Privatpost wurde 1887 vom neuseeländischen Fotografen J. Davis gegründet. Nach der Aufteilung Samoas zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten durch das Abkommen vom 2. Dezember 1899 erfolgte die Aufhebung dieser Privatpost. In der deutschen Zeit wurden ab 1. März 1900 die Ausgaben der Reichspost verwendet. Postanstalten bestanden in: Apia ab 23. Juli 1887, Aleipata ab 1. August 1909, Fagamolo ab 6. November 1903, Malula ab 24. April 1909, Mulifanua ab 3. November 1903, Palauli ab 13. Januar 1905, Salelevalu ab 4. November 1903, dazu die Posthilfsstelle Matautu. Die Poststellen wurden bei Ausbruch des Krieges (im August 1914) geschlossen.

Die Tätigkeit der deutschen Post in Samoa begann im Jahr 1886. Zuvor wurden Postsendungen gelegentlich mit Schiffen über Australien, Neuseeland oder den Vereinigten Staaten von Nordamerika, von den Konsulaten in Empfang genommen und den Empfängern ausgehändigt. Bereits 1879 wurde deshalb ein Abkommen zwischen Deutschland, England und den Vereinigten Staaten abgeschlossen. Eine grundlegende Änderung brachten die allmonatlichen Fahrten des Dampfers „Lübeck” des Norddeutschen Lloyd, der erstmals am 10. September 1886 von Sydney aus eine Reise nach Apia und Tonga antrat. Bei der Ankunft in Apia wurde eine kaiserlich-deutsche Postdampfschiffsagentur eingerichtet. Die amerikanischen und englischen Siedler erhoben Einspruch gegen diese Tätigkeit. Um den Status zu ändern, wurde die Schiffsagentur am 23. Juli 1887 in eine Postagentur umgewandelt, die postalischen Tätigkeiten dem Konsulatssekretär Schlüter übertragen. Dies war allerdings auch kein zufriedenstellender Zustand. Nachdem zweimal Feuer im deutschen Konsulatsgebäude ausgebrochen war (1889 und 1895) entschloß sich die kaiserliche Reichspostverwaltung 1895 den Oberpostassistenten Banse nach Apia zu entsenden. Am 1. März 1900 wurde Samoa zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten aufgeteilt. In der Folge kam am 25. Juni 1901 der Postassistent Traub seinen Dienst in Apia an. Die Verbindung mit den mittlerweile eingerichteten Posthilfsstellen wurde durch Botenposten hergestellt, die zweimal innerhalb von drei Wochen von Apia über Mulifanua nach Sawii und zurück verkehrten. 1906 erfolgten die ersten Installationen zum Aufbau eines Fernsprechortsnetzes in Apia. 1914 wollte man eine Verbindungsleitung von Apia über Malua nach Mulifanua herstellen, aber der Ausbruch des Weltkrieges verhinderte dies.

Postsendungen nach Apia konnten von Deutschland aus für den innerdeutschen Tarif befördert werden. Sollten die Sendungen über Apia weitergehen, so hatten die Empfänger dafür selbst Sorge zu tragen. Die Post erreichte Samoa durch den Inseldienst verschiedener Gesellschaften, die allmonatlich Apia anfuhren. In der sogenannten „Postwoche” kamen zwei Schiffe (mit drei Tagen Unterschied) in Apia an. Der aus Hessen stammende Traub wurde 1913 zum Ober-Post-Assistenten ernannt, er gehörte auch als Beisitzer dem Obergericht in Apia an. Außer der kaiserlichen Post gab es eine Apotheke, sowie eine Metzgerei, Bäckerei, Friseur, Mineralwasser-Fabrik, ferner Unternehmen, wie Bootsbauer, Tischler, gar eine Likörfabrik und Fahrgeschäfte mit Pferdeverleih, natürlich auch Hotels und Gaststätten. Eine kleine Druckerei, bei der eine deutsche Zeitung verlegt wurde, war unter der Leitung eines Herrn Luebke vorhanden.

Quellen und Literaturangaben: Verschiedene Tageszeitungen zum Jahreswechsel 2011/ 2012; Samoanisches Gouvernementsblatt (Jahrgänge 1902–1914); Großes Lexikon der Philatelie von A. Bungertz; Geschichte der Deutschen Post in den Kolonien und im Ausland, Konkordia-Verlag, Leipzig, 1939.